{"id":9,"date":"1999-07-29T18:36:04","date_gmt":"1999-07-29T22:36:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editorial.de\/?p=8"},"modified":"1999-07-29T18:36:04","modified_gmt":"1999-07-29T22:36:04","slug":"musik-im-netz-alte-lumpen-statt-haute-couture","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.editorial.de\/index.php\/1999\/07\/29\/musik-im-netz-alte-lumpen-statt-haute-couture\/","title":{"rendered":"Musik im Netz: Alte Lumpen statt \u201cHaute Couture\u201d"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.editorial.de\/wp-content\/uploads\/kw3099.jpg\" align=\"right\" border=\"0\" height=\"102\" width=\"193\" \/>Das Modethema auf den Titelbl\u00e4ttern aller Computerzeitschriften ist in diesem Sommerloch ja wieder MP3, als ob dies Thema die sensationelle Neuerung dieses Jahres w\u00e4re. Ich will hier gar nicht tiefer auf die Belanglosigkeit all dieser Berichte, teilweise sogar grobe Fehler in Bezug auf die darin steckende Technik, eingehen. Offenbar disqualifizieren sich alle vormals als professionell betrachtete Medien selbst durch unangemessene Testmethoden, wenn denn dann \u00fcberhaupt darauf eingegangen wird, wie die Beurteilungen zustande kommen. Und die relevanten Fragen zur Zukunft des Online- Musik- Gesch\u00e4ftes werden sowieso nur allzu oberfl\u00e4chlich angekratzt. Da wird auf dem Cover noch mit &#8222;So kommen Sie an die MP3s Ihrer Stars&#8220; geworben, finden sich innen wieder nur die \u00fcblichen Links zu den legalen Quellen, die zwar haufenweise gute Musik bieten, aber eben so gut wie keine &#8222;meiner Stars&#8220;. Weil die w\u00e4ren ja illegal. Als gerne verwendete Beispiele gelten h\u00f6chstens &#8222;Public Enemy&#8220; und die &#8222;Beastie Boys&#8220;, wobei grade diese auch das eigentliche Problem nur zu gut verk\u00f6rpern. Wurden doch deren erste Versuche, Musik an der Plattenindustrie vorbei im Netz kostenlos zu verbreiten, umgehend unterbunden. Zaghaft b\u00e4umen sie sich wieder auf, mit Unver\u00f6ffentlichtem (&#8222;Beastie Boys&#8220;) oder tats\u00e4chlich als Medium zum Verkauf der Musik (&#8222;Public Enemy&#8220;). Aber sie bleiben doch Ausnahmen, weil es der Plattenindustrie so halt nicht gef\u00e4llt&#8230;<\/p>\n<p>Das Problem ist ganz einfach, mit m\u00fcndigen Kunden ist kein Gesch\u00e4ft zu machen. Oder anders, Geld wird nicht unbedingt mit einzelnen Titeln gemacht, sondern mit Gesamtwerken. Nicht umsonst stiegen die CD-Preise (von Dumping-Angeboten der Chartrei\u00dfer abgesehen) in den letzten Jahren kontinuierlich. Man k\u00f6nnte b\u00f6se sagen, verdient wird auch an den F\u00fcllern auf der CD, f\u00fcr die bezahlt man ja mit. K\u00f6nnte sich jeder die Sahnest\u00fccke herauspicken und zu seiner Lieblings-CD vereinen, so w\u00fcrde die Kluft zwischen verkaufbarer Musik (haupts\u00e4chlich die Bestandteile der Charts) und unter Vertrag befindlicher K\u00fcnstler immer gr\u00f6sser. Was ja scheinbar ein netter Zug der Plattenindustrie ist. Und darum bleiben dem Internethandel Ladenh\u00fcter und Newcomer vorbehalten (so sprach z.B. Dr. Mahlmann von &#8222;Emi Music&#8220;, aber auch die umfangreichen Bem\u00fchungen von &#8222;Sony Music&#8220; weisen in diese Richtung), was aber bestimmt kein Weg ist, den illegalen MP3s etwas entgegenzusetzen. Denn grade dort finden sich doch eigentlich nur die aktuellen Titel.<\/p>\n<p>Aber wie k\u00f6nnte ein alternativer Entwurf aussehen? Zwar sind die Widerst\u00e4nde gegen die Erstellung von Benutzerprofilen immer noch sehr gro\u00df (ein Thema f\u00fcr sich), doch grade da k\u00f6nnte eine Chance liegen. Lasst den Online-Shop meinen guten Freund sein, der mir zu meiner Auswahl weitere gute Musik empfiehlt. Und je weiter ich meine Auswahl verfeinere, um so genauer trifft er dann meinen Geschmack. Zum einen sicher eine Herausforderung an die Informatiker unter uns, zum anderen bei sinnvoller Anwendung grade auch eine Chance, andere Musik, neue K\u00fcnstler zu etablieren. Ein sch\u00f6ner Wink in diese Richtung ist z.B. die Rubrik &#8222;Kunden, die dieses Buch gekauft haben, haben auch die folgenden B\u00fccher gekauft&#8220; bei &#8222;amazon&#8220;. Aber das erfordert eine Akzeptanz beim Benutzer, und diese wird sich wohl nur durch moderate Preise (man ber\u00fccksichtige Preview-, Download- und CD- Herstellungskosten) und ein wirklich umfassendes Angebot erreichen lassen. Guter Service w\u00e4re doch ein \u00fcberzeugendes Argument gegen die eher frustrierenden illegalen Sites, oder?<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.atomicpop.com\/mp3\/index.html\">Atomic pop<\/a><br \/>\n&#8222;Public Enemy&#8220; f\u00fcr $8 und ein paar eher unbekannte K\u00fcnstler f\u00fcr lau&#8230;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.launch.com\/beastieboys\/\">Beastie Boys<\/a><br \/>\nExklusive Remixe gibt es im Gegenzug zur &#8222;Launch.com&#8220;- Mitgliedschaft, und leider auch im eher mangelhaften neuen &#8222;MS Audio&#8220;- Format.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.screeming.com\/millenium\/index2.html\">Music for the Screemillenium<\/a><br \/>\nLegale und gute St\u00fccke der eher in England bekannten &#8222;Sunscreem&#8220;, angeblich jede Woche bis zum Jahresende ein weiteres.<\/p>\n<p>So long,<br \/>\nThorsten<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Modethema auf den Titelbl\u00e4ttern aller Computerzeitschriften ist in diesem Sommerloch ja wieder MP3, als ob dies Thema die sensationelle Neuerung dieses Jahres w\u00e4re. Ich will hier gar nicht tiefer auf die Belanglosigkeit all dieser Berichte, teilweise sogar grobe Fehler in Bezug auf die darin steckende Technik, eingehen. Offenbar disqualifizieren sich alle vormals als professionell [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,5],"tags":[],"class_list":["post-9","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-digital","category-musik"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.editorial.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.editorial.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.editorial.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.editorial.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.editorial.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.editorial.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.editorial.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.editorial.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.editorial.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}