Archiv für das Jahr 1999

The return of Altklug…

Samstag, 10. Juli 1999

Da moniert die Schlußkolumne des „Dr. Web Newsletter Nr. 35“ so treffend die oftmals fehlenden Umgangsformen in diversen E-Mails, wohl oft resultierend aus der fehlenden Intelligenz der Autoren, wer weiß, vielleicht war es ja auch nur die unglückliche Kindheit. Natürlich werde auch ich nicht verschont von derart unverschämten Dummheiten, aber ehrlich, so etwas zu ignorieren lernt man doch schon in frühster Kindheit, oder wer hatte keine Dummschwätzer bei sich in der Schule oder sonstwie im permanenten Umfeld? Ob man nun noch Energie auf die Beantwortung verschwendet (eine funktionierende Antwortadresse vorausgesetzt, denn zumeist geht technisches Unverständnis Hand in Hand mit derartiger Unverschämtheit), sei dahingestellt, ich kann mich an keine Situation erinnern, in der dies sich freundlich als Missverständnis aufklärte. Wie gesagt, das kennen wir doch zur Genüge…

Etwas frustrierender finde ich da schon, dass sich, je mehr man in News und Foren unterwegs ist, herauskristallisiert, das eine Gattung Mensch nicht auszurotten ist. Das Netz scheint überschwemmt zu sein von altklugen Muttersöhnchen, die ihren allwissenden Zeigefinger mit unglückseliger Regelmäßigkeit an den unmöglichsten Stellen aufrichten. Der Wortschatz dieser Spezies beschränkt sich im Allgemeinen auf „OT“ (off topic = am Thema vorbei), „f’up“ (follow up = grob für etwas in eine andere Gruppe verweisen), „PLONK“ (= lautmalerisch für „etwas in den Mülleimer tun“) und „FAQ“ (Oft gestellte Fragen und deren Antworten). Wobei gegen diese Aussagen ja eigentlich nichts zu sagen wäre, würde damit ernsthaft umgegangen, dem verirrten Neueinsteiger der Weg gewiesen zu dem Ort, der die Antwort auf die Frage bieten könnte, Verweis oder f’up in eine andere Newsgroup statt zu „newusers“ oder die URL der FAQ. Ein freundlicher Hinweis, vielleicht gar trotzdem zusätzlich ein Ansatz einer Lösung, als ob es so schwer wäre. Statt dessen werden Kleinkriege angezettelt, weil jemand nicht mit korrektem Namen unterwegs ist (auch wenn das zu begrüßen wäre) oder seine Signatur nicht korrekt mit „– “ abgetrennt hat. Was in sich schon widersinnig ist, weil dadurch mehr Zeit, Energie und vor allem News-Müll-Aufkommen erzeugt wird, als bei freundlicher und knapper Beantwortung mit Hinweis auf gemachte Fehler. Kontraproduktivität und Prinzipienreiterei, da ist man versucht, wieder „deutsche“ Charakterzüge herbeizureden. Nicht mein Ansatz, ich schiebe es eher darauf, dass diejenigen noch am Mutterrock festgetackert sind, auf das wöchentliche Kaffeekränzchen mit den Freundinnen der Mutter, bei Frankfurter Kranz und entkoffeiniertem Kaffee. Leute, die außerhalb von Bits und Bytes den Anschluss verloren haben und die Samstagnacht lieber im Chat als auf der Piste verbringen. Vielleicht etwas grob über einen Kamm geschoren, aber gibt es sonst rationale Argumente für derartige Überheblichkeiten? Mir fällt da nichts ein…

Dr. Web Newsletter Nr. 35 und Reaktionen darauf

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