Matthias Praxenthaler: „Horst der Held“
Ab und zu haben Freunde ja die Gabe, einem die Peinlichkeiten der eigenen Vergangenheit mit dem Holzhammer zu präsentieren. Die bis dato amüsanteste Variante dieses alten Spieles stellt wohl dieses Buch dar. Nun gut, „Thorsten“ ist als Name bei weitem nicht so grausam als „Horst“, aber zumindest in den ersten Kapiteln dieses Buches finden sich doch diverse Parallelen, vor allem im Kleinbürgertum der „Industriestadt im Grünen“. Meine Heimat Nordhorn hieß wirklich „Textilstadt im Grünen“, zumindest bis die Textilindustrie plattgewalzt wurde. Allein solche Zufälle sind zu hübsch, um bei dem vom Autor selbst aufgelegten und vertriebenen Buch nicht ständig amüsiert in Selbstreflektion verfallen. Okay, die Parallelen hören dann auch schon beinahe sofort auf, konkret zu sein, die Schlußkapitel sind dann so furios, dass ihnen jegliche Glaubwürdigkeit abgeht. Trotzdem, Kleinstadtmief wird hier wunderbar ad absurdum geführt, dass diese lockere Lektüre doch für heitere Stunden sorgt.
Ach ja, zur Handlung: Erzählt wird die Lebensgeschichte des Einzelkindes Horst, in der Schule geschnitten und verhasst und spätestens in der Pubertät auf der Suche nach dem Weg zum richtigen Mann. Das dabei alles schiefgeht, was schiefgehen kann, ist selbstverständlich. Kein Geld, keine Freunde, kein Sex, keine Zukunft. Findet Horst einen Ausweg?
Nett auch, bei einer Suche fand sich sogar ein Photo des Autors, man beachte auch die Seitenherkunft: Herzblatt Fotostory
Nachtrag: Ich habe festgestellt, dass das Buch inzwischen auch im Buchhandel zu kriegen ist, für 14,90 DM bei dtv (ISBN 3-423-20240-8). Und eine Homepage gibt es inzwischen auch: www.praxvalley.de…
Thorsten
